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Tachometer-Ausbau und -Auseinanderbau beim W111-Coupé (teilweise sicher auch für die Pagode geeignet) und Austausch der Welle bei allen W108-W113

von Klassiker-Teile
 

1. Der Ausbau

2. Das Auseinandernehmen

Exkurs I: Defektes Tachoglas

3. Der Zusammenbau

Exkurs II: Defekte Lämpchen

4. Austausch der Tachowelle



Ich hatte gleich zwei Gründe mich um meinen Tacho zu kümmern: Der erste war - wie auf dem Bild zu sehen ist - eine gelöste Abdeckung der Tachonadel. Der zweite war eine gebrochene Tachowelle.

Da das WHB nur den Ausbau der Instrumenteneinheit bei der Limousine beschreibt (Seite 54_11) gebe ich hier meine Vorgehensweise wider. Ich habe schon einige Wagen mit loser Tachonadel-Abdeckung gesehen, so dass es auf jeden Fall sinnvoll ist diese neu zu verkleben, wenn der Tacho aus einem anderen Grund geöffnet wurde. Dieses gilt auch für die Limousinen und bei denen auch für die Abdeckung des Kombi-Instruments!

1. Der Ausbau

Zuerst ist die Abdeckung des Armaturenbrettes über dem Kardantunnel zu entfernen. Dann kann man vom Fahrersitz aus, halb über dem Getriebe liegend, mit der rechten Hand hinter den Tacho greifen und die Welle lösen.

So, zum Ausbau unterscheiden sich die Experten-Meinungen: Angeblich soll der Tacho mit einer Rändelmutter fixiert sein. Das war bei meinem jedoch nicht der Fall und es war auch keine Vorrichtung dafür zu erkennen. Das  Gehäuse ist aus Gummi und hat vorne eine Wulst, mit dem der Tacho im Gehäuse (dort ist ein Gummiring eingeklebt, der den Widerpart spielt) verpresst war. Sollte sich der Tacho mit Druck von hinten federnd nach vorne bewegen, so scheint er nur gesteckt zu sein. Es sollte aber vorher die Länge der angeschlossenen Kabel geprüft werden. Meine Digicam hat mir da wertvolle Hilfe geleistet. Falls die Kabel der Tachobeleuchtung (weiß-blau) nicht lang genug sind, kann man die Lämpchen an der messingfarbenen Fassung aus dem Tacho ziehen. Für das braune Massekabel heißt es nur hoffen, denn ein Lösen der 7er-Mutter ist im eingebauten Zustand kaum möglich. Unter ständigem Druck kam der Tacho dann nach vorne raus:

Und nun lag das gute Ding auf meinem Schreibtisch. Anscheinend ist der Tacho schon mal überholt/getauscht worden, denn hinten ist ein VDO-Stempel von 6/75 drauf. Hat der erste Tacho doch glatt 7 Jahre gehalten... ;-)

 

2. Das Auseinandernehmen

Es fängt ganz leicht an, denn zuerst wird das Gummigehäuse entfernt. Der "Fromms" wird durch einen großen Sicherungsring gehalten, dessen Entfernung kein Problem ist:

So sieht der Tacho "nackt" aus:

Der das Tachoglas haltende Chromring war unversehrt und wurde von mir also das erste Mal geöffnet, so dass es jetzt ans Eingemachte geht. Man sollte etwas Geduld haben und je nach Gusto erstmal ne Fluppe rauchen oder nen Schnaps trinken, damit die Hände ruhig sind. ;-)

Für mich war es mit der Abbördelei das zweite Mal. Bei einem anderen Tacho mit kaputter Glasscheibe war ich zu ungeduldig und konnte den Chromring nicht entfernen, ohne dass er einriss. Diesmal habe ich einem langen, aber schmalen Schraubenzieher (kein Kreuzschlitz! ;-)) mit ca. 5mm Klinge angesetzt und vorsichtig gedreht und dann 5mm weiter versetzt. Ist auf dem Bild leider nicht so gut zu erkennen:

Dies habe ich dann ca. 2/3 des Umfangs gemacht und dann den Ring vorsichtig abgehebelt. 1/3 des Grundkreises blieben gebördelt und dienten beim Zusammenbau als Ansatzpunkt:

Geschafft:

Jetzt kann die Abdeckung der Tachonadel (natürlich nach Entfernen des alten Klebers) aufgeklebt werden. Ich habe den guten alten Superkleber genommen, da ich mich in diesem Leben damit nicht mehr beschäftigen will.

Ich habe den Tacho noch weiter auseinandergebaut, da der Tacho besonders bei kalten Temperaturen erst einen Schlag auf den Hinterkopf brauchte, um die Geschwindigkeit anzuzeigen. Dazu löste ich hinten am Gestell die beiden Schlitzschrauben:

Ohne Gestell sah der Tacho nun so aus:


 

Den weiteren Auseinanderbau erzähle ich ohne Gewähr, da es bei unvorsichtiger Arbeitsweise sein kann, dass der Tacho nicht mehr funktioniert. Auch etwaige Garantieansprüche dürften damit verfallen! ;-) Dazu löse ich die beiden seitlichen mit grüner Farbe markierten Schlitzschrauben. Zu erkennen ist der Magnet, der durch Drehung die "Blechschüssel" (Bild 2) und dadurch den Zeiger mitnimmt:

Achtung: Ein Lösen der Tachonadel oder der Blechschüssel führt unweigerlich zur Dejustierung des Tachos (siehe auch OldtimerPraxis 04/2008)! Ich hatte mal einen Kostenvoranschlag für eine Überholung von Kienzle eingeholt, der ging über 400€ ! Ein neuer Tacho kostet zwischen 800 und 1.100€ !

Ich konnte keine Verschmutzung erkennen, also habe ich nur das alte Fett an der stehenden Welle entfernt und die Räder neu gefettet.

 

Exkurs I: Defektes Tachoglas

Sollte das Glas kaputt sein und getauscht werden sollen, muss der Knopf des Km-Rückstellers entfernt werden. Dieser ist mit einem Sprengring gesichert. Ist etwas tricky, da man nicht mit einer Zange rankommt. Also wieder Geduld/Fluppe/Bier und aufpassen, dass die Teile beisammen bleiben (u.a. eine kleine Unterlegscheibe aus Filz und ein gewellter Federring).

 

3. Der Zusammenbau

Zuerst sollte das Tachoglas von innen penibel gesäubert und auch alle Fussel von der Tachoanzeige entfernt werden. Wäre schon ärgerlich, wenn man nach dem Zusammenbau von einem Härchen angegrinst werden würde! ;-)

Also den schwarzen Außenring einsetzen und Tachoglas aufsetzen (auf Fingerabdrücke achten!) und dann den Chromring mit der unbeschädigten Seite zuerst überstülpen. Denn Rest konnte ich dann mit der Kraft der zwei Daumen festclipsen, ohne weiteres Werkzeug zu Hilfe nehmen zu müssen.  Umgebogen habe ich den Ring dann nur an zwei Stellen und zwar ganz unprofessionell mit einem mit Tape isoliertem Schlitzschraubenzieher. Halten tut das auf jeden Fall, es ist von vorne nicht sichtbar und wer weiß, ob man nochmal an den Tacho ran muss.

Exkurs II: Defekte Lämpchen

Bevor man den Tacho wieder einbaut, sollte geprüft werden, ob beide Lämpchen der Tachobeleuchtung funktionieren. Wenn nicht: 072601 012800 für rd. 4€
 


4. Austausch der Tachowelle

Wie die Welle am Tacho gelöst wird, habe ich ja oben schon beschrieben. Am Schaltgetriebe ist es auf der Fahrerseite mit einer 10er-Schraube befestigt:

Die Tachowelle wird unterhalb der Lenksäule nach außen geführt. Im Karosserieloch steckt zum Schutz der Welle eine Gummitülle (Teilenr.: 108 997 0381 für schmale 14€). Ein Herausziehen der Welle war aufgrund der Einbaulage des Tülle bei mir nur vom Innenraum möglich. Man sollte sich vorher merken wie die Welle unter dem Wagenboden geführt wird, um bei der neuen Welle nicht unnötig Spannungen aufzubauen. Die Wellen für Automatik- und Schaltgetriebe unterscheiden sich in der Form des Anschlusses am Getriebe und der Welle (links für Schaltgetriebe), zudem gibt es unterschiedliche Längen (lt. Teilekatalog bei den Coupés schon 6 verschiedene Wellen, meine neue hat die Nr.: 113 542 0907):

In der Form des Anschlusses liegt auch die Tücke für das Einfädeln der Welle ins Getriebe bei Schaltwagen, da man genau den tief liegenden Schlitz treffen muss. Daher ist es auch einfacher die Welle zuerst am Getriebe und danach am Tacho zu befestigen:

Beim Einfädeln der Welle und beim Festziehen der Mutter ist es von Vorteil nicht wie ich unter dem Wagen zu liegen, sondern zu stehen. Ich hatte das Problem, dass ich die Welle nur bei rausgezogener Schraube richtig stecken konnte, aber dann die Schraube nicht mehr reinbekommen habe. Hat für ein Weilchen auch so gehalten! ;-)

So das wars. Verbesserungen und Anregungen nehme ich natürlich gerne an!